Lang vergessene Superstars antworten. Heute: die 99 Luftballons aus Nenas Superhit 99 Luftballons.
Sacha Brohm: Hallo 99 Luftballons. Was war das für ein Gefühl, als deutscher Luftballon ganz oben in den amerikanischen Charts zu stehen?
99 Luftballons: Das war schon eine große Sache. Viele von uns kamen ja aus ganz einfachen Verhältnissen. Einige waren gerade erst nach Berlin gekommen, als Nena vorbeikam und fragte, ob wir Bock hätten mitzumachen. Wir haben natürlich zugesagt, weil uns die Lyrics gefielen. Und Nena war ja auch total süß.
Sacha Brohm: Wie hat sich der Erfolg auf euer Leben ausgewirkt?
99 Luftballons: Das war ein Höhenflug. Damit hatten wir nicht gerechnet. Deutschland? Ja. Deutschland liebt Luftballons. Das wussten wir. Das war schön, aber keine Überraschung. Der Erfolg in den Staaten hat uns aber echt den Boden unter den Füßen weggerissen. Wir hatten eine tolle Zeit. Viele Partys. Ja, viele Partys. Das ist ja eine tolle Mischung: Partys und Luftballons.
Sacha Brohm: Habt ihr noch Kontakt zu Nena?
99 Luftballons: Nein. Ab und zu fliegen wir an ihrem Haus vorbei, aber meistens ist sie nicht da. Das sagen jedenfalls ihre Angestellten. Letztens haben wir alle in ihrem Garten gewartet, aber das fällt natürlich auf. Die Nachbarn haben auch nichts gerafft und fühlten sich gleich angemacht. Ich glaube, Nena will nicht mehr mit uns in Verbindung gebracht werden. Das wird durch die Medien auch immer verzerrt dargestellt. Wir waren ja nie so dicke. Ich kann mich an eine Bravo-Foto-Homestory erinnern. Da gab es großen Ärger, weil Nena immer statisch aufgeladen wurde und ständig einen gewischt bekam. Aber der Fotograf meinte, er wolle noch mehr Fotos von ihr mit uns machen. Nena hat da auch einige von den Original 99 Luftballons zum Platzen gebracht. Sie hatte eine umfangreiche Sammlung an Nagelfeilen. Und immer wenn der Fotograf gerade nicht geguckt hat: Peng!
Sacha Brohm: Ihr seid also nicht mehr die Original 99 Luftballons?
99 Luftballons: Schon lange nicht mehr. Es sind noch drei aus der Originalbesetzung dabei. Die anderen sind weg. Weggeflogen, geplatzt, von Kindern verschleppt. Wir waren ja irre beliebt. Jeder wollte einen von uns haben. Einige sind auch mit dem Ruhm nicht klargekommen. Die sind dann zurück auf die Kirmes oder auf Kindergeburtstage und haben dort ihren Weg gemacht.
Sacha Brohm: Wie schafft ihr es, immer 99 zu bleiben?
99 Luftballons: Es wird immer schwieriger, passende Ballons zu finden. Auf viele junge Ballons kann man sich ja nicht mehr verlassen. Die sehen nur: Geil, Luftballons in den Medien, da will ich mitmachen. Dass das auch Arbeit ist, diesen Kultstatus zu halten, das sehen die nicht. Immer nur Party machen und am nächsten Morgen ganz schlaff zu Terminen erscheinen. Wenn sie überhaupt erscheinen. Einige von denen kennen nicht mal den Song.
Sacha Brohm: Womit verdient ihr momentan Geld?
99 Luftballons: Oh, wir gehen immer wieder mit anderen bekannten Gegenständen aus Popsongs auf große Tourneen. Im letzten Jahr waren wir mit den sieben Fässern Wein von Roland Kaiser, der kleinen Kneipe von Peter Alexander und dem bisschen Frieden von Nicole unterwegs. Das ist immer ausverkauft, wenn wir in eine Stadt kommen. Die Leute lieben das. Das erinnert sie an eine Zeit, in der noch nicht alles so kommerziell war wie heute.
Sacha Brohm: Stimmt es, dass ihr anfangs 100 Luftballons wart, einer von euch jedoch gezwungen wurde zu gehen, weil sonst der Refrain nicht gepasst hätte?
99 Luftballons (aufgebracht): Nein, das ist eine urbane Legende.
Sacha Brohm (zufrieden): Danke für das Interview.




















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