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ANDERSWO-ARCHIV

Sacha Brohms erstes Buch

Mein erstes Buch

Skizzen aus dem Iran

Im Jahr 2009 war ich für einige Monate im Iran, um für das Magazin Mare über Menschen zu berichten, die im Iran leben. Auf meiner Reise durch das große Land habe ich viele Menschen getroffen, die im Iran leben.

Tag 35

„Bei der ganzen Debatte um das iranische Atomprogramm, bleibt völlig außen vor, dass dieses Land unglaublich reich an Sand ist.“ Peter Bosworth, Tourismusexperte und seit seiner Geburt Iraner, hockt sich vor unser Team und streicht mit seiner Hand den vor ihm liegenden Sand glatt. „Es gibt bis zu 300 verschiedene Begriffe für Sand. An manchen Tagen sogar bis zu 400.“ Der 30jährige Bosworth gibt sich alle Mühe, uns von der heilenden Wirkung besonderer Sandsorten zu überzeugen, doch er merkt auch, dass wir uns mit ihm treffen wollten, weil er als derjenige Tourismusexperte gilt, der weiß, wo sich geheime iranische Atomlabore befinden.

Auf unsere Nachfragen reagiert er mal gelassen, dann wieder angegriffen. Es sei sein Land, beteuert er, er wolle niemanden verraten, doch wenn er all den Sand sieht, oder wie Bosworth es betont: den „Sáhahnd“, dann ist er in einer Zwickmühle gefangen. Schließlich sei Sand das sein Leben bestimmende Thema. So war er einer der ersten, die 2003 darauf aufmerksam machten, dass bestimmte Sandsorten für immer von der Oberfläche der Welt verschwinden könnten, wenn der Mensch nicht eingreifen würde. „Die Tiere haben eine Lobby, die Pflanzen, ja sogar das Eis hat eine Lobby, doch wer kümmert sich um den Sandbestand der Welt?

Peter Bosworth wischt sich ein paar Tränen aus den Augen. Wir ahnen, dass er uns keine geheimen Atomlabore zeigen wird. Trotzdem versuchen wir, seine Standpunkte zu verstehen. „Wissen Sie, es gibt hier Landstriche, da finden Sie an einer Stelle leicht rötlichen Sand und dann gehen Sie nur ein paar Schritte weiter und dort ist der Sand dann eher ockerfarben oder gar sandfarben. Können Sie mir in die Augen schauen und sagen, dass Ihnen das nicht imponiert? Können Sie das?“

Wir packen unsere Sachen. Von Peter Bosworth werden wir keine Details erfahren. Er lebt in einer Welt, in der Sand mehr zählt als Politik. Doch am Ende unseres Treffens haben wir das Gefühl, dass er uns doch noch etwas mitteilen möchte. „Wissen Sie, wenn Sie ein bisschen geradeaus fahren und dann rechts abbiegen, und dann nochmal 400 Kilometer geradeaus fahren, dann kommen Sie irgendwo an. Dort gibt es wunderschönen Sand. Die Menschen die dort leben nennen ihn „Zeug, von dem die Götter zuviel hatten“. Ich denke, das wird Ihnen weiterhelfen.“ Als wir an der von Bosworth beschriebenen Stelle ankommen, finden wir Sand und uns wird klar: Peter Bosworth hat uns keinen versteckten Hinweis gegeben.

Dieser Text ist eine überarbeitete Version der Version, die in anderer Version Anfang des Jahres auf Hartcover.de zu lesen war. Ich glaube, dass viele ihn dort nicht gelesen haben, deshalb poste ich ihn noch einmal hier.

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