Eine längst verloren geglaubte Kinderweisheit
Cornelia ist 8 und wünscht sich nichts sehnlicher als ein Pony. Sie hat sich im Tiergeschäft auch schon eins angesehen und gefragt, ob sie es mitnehmen dürfe, aber der Verkäufer hat nur gelacht und sie schimpfend rausgeschubst. Da ist Cornelia sehr traurig und weint sich bei ihren Eltern aus, aber auch die lachen, denn schließlich hätte ein Pony gar keinen Platz in ihrer 1-Zimmerwohnung. Cornelia weint weiter und rennt in ihre Ecke des Zimmers.
Die Eltern aber haben doch ein schlechtes Gewissen und wenn Cornelia schon kein Pony bekommen kann, dann wenigstens ein anderes Tier. Am nächsten Tag kommt der Vater aus der Stadt und hat einen kleinen Pappkarton in der Hand.
„Hier Conni, ein Geschenk, es ist kein Pony, aber so was ähnliches.“
Cornelia reißt den Karton auf und heraus guckt ein kleiner Hase mit irre lustiger Mümmelnase und schlappigen Schlappohren. Erst freut sich Cornelia, doch schon bald verliert sie die Lust am Hasen und bricht ihm alle Knochen, bis von ihm nur noch ein beliebig formbares Fellknäuel übrig bleibt. Er fiept noch eine Weile, dann ist er tot. Gestorben an Brüchen, inneren Blutungen und Hass. Cornelia aber hat einen Plan und weint theatralisch, als die Eltern sehen was mit Mümmel passiert ist.
Wenn Cornelia so unglücklich ist, muß etwas passieren. Und dann verkaufen die Eltern einige ihrer nicht so wichtigen Organe auf dem Schwarzmarkt und schenken Cornelia das Pony. Da ist sie so richtig glücklich und reitet mit dem Pony durch das kleine Zimmer. Bald aber merken alle, dass das Pony zu groß ist und eines nachts legt es sich auf Cornelia. Morgens finden die Eltern das tote Mädchen. Es erinnert sie an das Kaninchen, und weil Cornelia es so sehr mochte, bestatten sie sie an der gleichen Stelle im stinkenden Tümpel am Rande des Industriegebiets.
Mit den Kinderweisheiten bestritt ich seinerzeit den Zugabenteil beim Zirkeltraining. Bei der Lesung am letzten Montag habe ich es nicht gemacht. Warum nur?


Ja, man hat es regelrecht vermisst.
das ist genau die art von humor, die mir körperliche schmerzen bereitet.