Der letzte Tag
Man soll ja im Internet aufpassen, was man von sich preisgibt. Ja ja, mach ich ja. Ich glaube allerdings, dass jemand, der wie ich, allen verrät, dass er die gewachste Brust von Wayne Rooney nicht mal ansatzweise so hübsch findet, wie die wildbewucherte, kann sich ruhig auch mal erlauben, über seinen Arbeitsplatz zu sprechen. Wobei dieser Arbeitsplatz bald nicht mehr mein Arbeitsplatz sein wird. Es ist ja auch fast ein offenes Geheimnis. An diesem Freitag gehe ich nach acht Jahren zum letzten Mal morgens in die Unibibliothek, um in unregelmäßigen Abständen zu sagen: “Die Laptoptasche/die Colaflasche/den Hund müssen Sie leider draußen lassen.”
Acht Jahre habe ich nun damit verbracht, Bücher zu verbuchen, wenn jemand auf die verrückte Idee kam, dass er/sie ein Buch bräuchte. Ich habe die Bücher auch zurückgenommen. Insgesamt 480.000 Bücher habe ich in den letzten Jahren eingepiept und nach einigen Wochen wieder ausgepiept. Das hat mir großen Spaß bereitet.
Und nun ist diese Zeit vorbei. Ich darf nicht mehr piepen. Des Piepens beraubt. Insgeheim hoffe ich, dass es es zu trauerartigen Tumulten kommt, wenn ich am Montag nicht mehr hinter der Buchungstheke stehe und sage: “Das Käsefondue/die brennende Fackel/den tropfenden Lappen müssen Sie leider draußen lassen.” Andererseits könnte ich es aber auch verstehen, wenn alle jubeln und das Ende eines Terrorregimes feiern.
Ich habe schon seit mehreren Jahren einen recht guten Text über meine Arbeit in der Unibibliothek in der Schublade. In ihm berichte ich unter anderem von der Frau, die mich zweimal angeniest hat und wutschaubend zu meiner Chefin gerannt ist, nachdem ich ihr mitgeteilt hatte, dass sie gefälligst woandershin niesen solle. Auch andere Anekdoten habe ich humoristisch aufgearbeitet, allein, ich habe ihn noch nie gelesen. Und ich werde ihn höchstwahrscheinlich auch nie lesen.
Es kommt niemand schlecht weg in dem Text. Nur ich hin und wieder. Aber es fühlt sich nicht gut an, Texte über seinen Arbeitgeber zu schreiben. Außerdem könnte es ja auch sein, dass mein zukünftiger Arbeitgeber mal im Netz guckt, wer ich bin und dann liest der davon, dass ich “Texte” über vorherige Arbeitgeber schreibe. Da wird der sich aber schnell nach jemand anderem umgucken. Andererseits erfährt ein möglicher zukünftiger Arbeitgeber, dass ich die gewachste Brust von Wayne Rooney nicht annähernd so attraktiv finde, wie die wildbewucherte. Da wird der sich dann auch irgendwie seinen Teil denken.
Danke an all die Benutzer und Benutzerinnen, die ich im Laufe der letzten Jahre auf ihrem steinigen Weg zum Hochschulabschluss begleiten durfte. Das hat sehr viel Spaß gemacht.
Vielen Dank aber auch an all die wunderbaren Kollegen und Kolleginnen in der Unibibliothek. Auch das hat viel Spaß gemacht und ich gehe nur sehr sehr ungerne.


Oh, ich glaube, dafür komme ich nochmal und nerve.
Aber ich habe alle Bücher, die ich hatte, bereits wieder zurückgegeben. Und auch der Moment war schon merkwürdig.
Vielleicht sollte ich mir morgen, zur Feier des Tages, einfach nochmal ein Buch leihen. Und zehn Minuten später wieder zurückgeben. Und das dann den ganzen, lieben Tag lang.
wenn du für so etwas zeit hast, dann mach das bitte
Viel Glück. ;]