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??? in der Seidenstickerhalle

Am Sonntag war ich eingeladen, mir mit ein paar Freunden die ??? live in der Seidenstickerhalle anzugucken. Ich weiß nicht, wie viele Zuschauer da reinpassen, unbestuhlt bis zu über 7.000. Da es aber bestuhlt war, wohl eine Menge weniger. Ich schätze mal, dass um die 4.000 Zuschauer da waren. Vielleicht auch weniger. Aber der Punkt ist, es waren sehr viele Zuhörer da. Das hat mich echt gewundert.

Viele mögen es nicht glauben aber auch ich habe als kleiner Bub die ??? gehört. Hatte alle Folgen auf Cassette und auch mir ist das Einschlafen, während die drei im Hintergrund herumquaken, ein Begriff. Mein Nostalgiefieber ist allerdings irgendwann erloschen und hat bis Sonntag erst mal eine Pause eingelegt. Um es gleich vorwegzunehmen: es wurde auch nicht wieder angeworfen.

Die Vorstellung ist sehr aufwändig und detailverliebt. Auf der Bühne passiert allerhand, ständig gibt es ein Gimmick nach dem anderen. Viele unterschiedliche Vortragende, viele Verrücktheiten auf der Leinwand und wabernde Synthiebackgroundmusik. Alles schön integriert.

Was aber auf die Dauer echt nervt, das sind die Augenzwinkereien. Ununterbrochen wird alles selbstironisch kommentiert, im schlimmsten Falle sogar wiederholt, damit auch der letzte Depp mitbekommt, dass da gerade was Witziges über das Genre oder die ??? gesagt wurde. Dass die Figur Justus Jonas sich nur ungerne Detektivhörspiele zum Einschlafen anhört, weil die so gruselig sind zum Beispiel. Mehr möchte ich nicht sagen. Eine Augenzwinkerei hat sich an die nächste gereiht. Und das Publikum hat jede Augenzwinkerei verstanden. Blutig geklatscht hat es sich die Hände vor lauter Erkennen. Das hat das Stück doppelt so lang gemacht als eigentlich nötig. Die Lösung des Falles habe ich schon während des Lösens selber nicht verstanden. Aber darum geht es ja auch nicht.

Und das kommt alles schon wieder viel gnieslegnasiger rüber als es soll. Es war ja schon eine gute Inszenierung. Nur hätten die mit dem Equipment, das ihnen zur Verfügung stand, mit Sicherheit auch was nicht ganz so Nostalgietreibendes hinkrigen können.

Na, wie auch immer. Es war schon ein imposantes und dann ja auch abwechslungsreiches Hörspieltheater und die Chemie zwischen den drei Hauptsprechern war schon bemerkenswert. Nach 30 Jahren könnte man ja meinen, dass die keinen Bock mehr aufeinander hätten. Aber dem war nicht so.  Gute Laune und zackige, improvisiert klingende Zwischenteile. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass auf der Bühne auch nur ein improvisiert klingender Zwischenteil tatsächlich improvisiert war. Dafür sind die zu profi drauf.

Den 4.000 Anwesenden hat es übrigens sehr gut gefallen. Am Ende gab es standing ovations und langes Klatschen. Auch wenn vorher schon alles gegeben wurde, was klatschmäßig drin ist. Ein sehr dankbares Publikum.

5 Kommentare zu ??? in der Seidenstickerhalle

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