Sacha Brohms bisherige Veröffentlichungen. Beim Klick aufs Bild gibt es mehr Infos.
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Liebe Freunde und Freundinnen,
wir als die Gefolgschaft unseres großen Führers, des fleischgewordenen Engels Alexander, haben uns hier zusammengefunden, um darüber zu sprechen, was wir gestern erlebt haben. Wie lange hatten wir uns auf diesen Tag vorbereitet? Wir haben unsere Familien verlassen, all die engstirnigen und egoistischen Menschen, die unsere Leben beeinflusst haben. Wir haben uns zusammengetan und die Regeln unseres großen Führers, des fleischgewordenen Engels Alexander, angenommen und mit all unserer Kraft befolgt. Unser Ziel war und ist immer noch klar. Wir haben all das auf uns genommen, um uns auf den Tag vorzubereiten, an dem die Erde untergehen wird und wir zusammen ein neues unendliches Leben beginnen werden.
Und nun fragt ihr euch sicherlich, was ist geschehen? Nun, das könnte ich auch euch fragen? Was ist gestern geschehen, als nichts geschehen ist? Ich will es euch sagen: Es war eine Generalprobe. Ja, es war eine Generalprobe, die unserem großen Führer, dem fleischgewordenen Engel Alexander, sehr gefallen hat. Er hat es mir noch in der Nacht bestätigt. Er hat sich zwar die Namen von denen notiert, die noch in der vermeintlich letzten Sekunde zu einer anderen Religion gewechselt sind, aber das werden wir während einiger Gruppengespräche sicher klären können.
Ihr fühlt euch betrogen? Fühle ich mich betrogen? Nein, fühlt euch nicht betrogen! Fühlt euch gut vorbereitet! Erinnert euch an die vielen schlaflosen Nächte, in denen ihr euch gefragt habt, ob ihr den richtigen Weg gegangen seid. Ihr seid den richtigen Weg gegangen, habt all euer Vermögen an mich, euer Sprachrohr zum großen Führer, dem fleischgewordenen Engel Alexander, übertragen. Das war nicht nur mutig, sondern auch ein Zeichen eurer vollkommenen Zurechnungsfähigkeit. Dafür sage ich Danke.
Ihr fragt euch, wie es nun weitergehen soll? Auch darauf werde ich euch eine vollkommen zufriedenstellende Antwort geben. Unser großer Führer, der fleischgewordene Engel Alexander, hat mir einen neuen Termin genannt. Den endgültigen Termin. Den Termin, an dem wir gerettet werden. Keine Überraschungen mehr. Beim nächsten Mal ist alles vorbei bzw. fängt alles neu an. Ihr und ich, wir werden uns dort wiedersehen, wo alles besser ist. Es wird sogar besser sein als dieses Lager hier in den Wäldern Brasiliens, in das wir uns zurückziehen mussten, weil es da draußen Menschen gibt, die nicht verstehen, dass wir das Richtige machen. Noch lachen sie über uns, aber bald wird ihnen das Lachen vergehen, wenn wir mit unserem Raumschiff über sie hinweg fliegen und Dinge hinunterwerfen. Dinge wie z. B. altes Obst oder eine Sandale. Dann werden wir lachen. Voller Mitleid zwar und vielleicht auch ein bisschen Zorn, aber wir werden niemanden von ihnen helfen.
Ich werde mich nun für euch in meine großzügig ausgestattete Villa zurückziehen und den härtesten Job von uns allen machen. Ich werde zu jeder vollen Stunde die Frauen mit den größten Oberweiten bei mir empfangen und Rhetorik lehren. Damit sie sich bald selbst mit unserem großen Führer, dem fleischgewordenen Engel Alexander, unterhalten können, der eine besondere Vorliebe für die rhetorisch geschulte Dame hat. Ihr anderen bestellt weiterhin die Felder und stellt Strom für meine Villa her.
Wenn ihr wüsstet, wie stolz und reich ihr mich macht. Reich an Stolz.
1,2 oder Pest
Witziges Kinderspiel für 2 bis 5 Mitspieler. Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Punkte zu sammeln, die man durch das Hüpfen auf bestimmte Felder erlangen kann. Der Mitspieler mit den wenigsten Punkten wird mit einer Ratte in einen Korb gesperrt und bekommt Pest. Ein herrlicher Zeitvertreib für die 2o Minuten zwischen Ende der Feldarbeit und Beginn der Feldarbeit.
Wer wird Torfstecher?
Männer mit gutem Rücken sind hier ganz klar im Vorteil. Wer sticht den meisten Torf und teilt ihn in möglichst gleich große Haufen? Gewinner ist der Mitspieler, der am Ende des Tages keinen guten Rücken mehr hat. Schade, aus ihm wäre sicher ein guter Torfstecher geworden.
Steuer oder Körperteil
Ohoh, da kommt der Fürst. Er will seine Steuern eintreiben. Wer nichts anderes abzugeben hat, dem wird ein Körperteil abgenommen. Mitspielerzahl unbegrenzt. Wer keine Körperteile mehr abzugeben hat, ist Verlierer und muss ins Loch. Aber keine Angst, beim Loch handelt es sich nur um eine Kuhle im Sumpf. Dort kann man tolle Extrapunkte sammeln, indem man Schlangen mit dem Mund fängt. Auch alleine ein toller Spielefun.
Die Welt ist rund.
Natürlich ist sie das. Aber könnt ihr das auch den Vertretern der Kirche klarmachen? Versucht euer Glück. Die interessantesten Erklärungen kommen in die zweite Runde und ins siedend heiße Öl.
Willkommen im Jahr 1000
Die Mitspieler fangen mit 12 Jahren an, dieses Spiel zu spielen. In einem Jahr ist schon das Jahr 1000. Werden sie es schaffen? Um es ihnen ein bisschen schwieriger zu gestalten, werden sie mit Feuer und Teer beworfen. Begleitend zu diesen witzigen Unterbrechungen müssen sie kniffelige Fragen beantworten. Wer die Antwort nicht weiß, muss eine Runde 1,2 oder Pest spielen.
Momentan ausverkauft: Dalli, dalli, Brunnenvergifter. Die Nachfrage wird wohl auch in 1000 Jahren nicht nachlassen.
- Erste Sitzung: Ein Zebra, eine Nonne und ein Legomännchen finden sich auf einer einsamen Insel wieder. Schreiben Sie eine Kurzgeschichte darüber, dass die drei den gleichen Vater haben. Vermeiden Sie das Wort Vater.
- Zweite Sitzung: Suchen Sie sich eine Figur aus einer Erzählung von Thomas Mann aus. Schreiben Sie einen kurzen Text, in dem Sie und die Figur eine Liebesaffäre haben, ohne dass es erotisch wird und Sie sich jemals sehen.
- Dritte Sitzung: Skizzieren Sie eine kurze Situation, die mit dem Satz: „Verena wusch ihr Haar ohne Schuldgefühle, denn das Eichhörnchen würde ihr nie wieder die Schublade auf den Wagen legen“ endet.
- Vierte Sitzung: Verfassen Sie ein überzeugendes Stück Exilliteratur. Führen Sie nur Charaktere ein, die taubstumm sind. Hauptbestandteil dieses Textes soll eine triumphale Massenkundgebung sein.
- Fünfte Sitzung: Schreiben Sie einen Dialog, der auf dem Schlager „Ein bisschen Frieden“ basiert. Verwenden Sie keine Wörter, die Ekel hervorrufen könnten. Vermeiden Sie die Wörter Frieden und Einsicht. Vermeiden Sie Wörter.
- Sechste Sitzung: Schreiben Sie einen Text, in dem Franz Kafka sich einen Porno anschaut. Schreiben Sie den Text aus Sicht des Kameramanns. Nähern Sie sich der Erzählung „Die Verwandlung“ an, ohne dass es zu platt wird. Verlieren Sie nicht aus den Augen, dass es sich um einen Porno handelt.
- Siebte Sitzung: Schreiben Sie ein Gedicht mit dem Titel „Wenn Kinder nicht mehr lachen“. Versmaß: Tetrameter.
- Achte Sitzung: Verfassen Sie einen witzigen Einkaufszettel. Arbeiten Sie die folgenden Artikel mit ein: Butter, Eier, Kochschinken, drei Flaschen Apfelsaft, Nagellack, Haarteil (blond), Schmusekissen, Hund. Bringen Sie alles zur nächsten Sitzung mit.
- Neunte Sitzung: Versetzen Sie sich in die Lage Gottes. Urteilen Sie gerecht über die Menschheit. Benutzen Sie allerdings nur Begriffe aus dem Bergbau.
- Zehnte Sitzung: Verfassen Sie eine Ballade mit dem Titel „Der Mann, der kein Wasser brauchte“ und verlieren Sie dabei nicht aus den Augen, dass er einer Lüge auferlegen war.
- Elfte Sitzung: Beschreiben Sie einen Tag in ihrem Leben. Vermeiden Sie es, den Leser zu langweilen. Vermeiden Sie es wirklich.
Die Leser und Leserinnen meines Blogs dürfen natürlich gerne einige der Punkte bearbeiten und mir ihre Texte schicken. Ich werde dann bei Gelegenheit bewerten, ob sich eine weitere Laufbahn als Autor oder Autorin lohnt.
Die Menschen fragen mich oft, wo ich Ideen für Texte herbekomme. Dann sage ich stets: aus meinem Kopf. Wenn wir dann alle ein paar Sekunden herzlich ekelhaft geschmunzelt haben, erkläre ich, dass ich mir viele Notizen machen. Die müssen gar nicht mal immer für sich lustig sein. Sie müssen nur aus irgendeinem Grund mein Interesse erweckt haben. Irgendwelche Wörter, Sätze, Namen, Zeitungsartikel, alles kann interessant für mich sein. Ich schreibe diese Fragmente dann in eines meiner Notizbücher und da liegen die interessanten Wörter, Sätze und Namen erstmal herum. Hin und wieder überkommt es mich dann, und ich lese in einem der Notizbücher. Dann fällt mir auf, dass eine Idee aus Notizbuch 5 zu einer Idee aus Notizbuch 18 passt. Dann suche ich die Stellen heraus und verbinde sie und wupps, habe ich einen neuen Text. So mache ich das. Ich notiere recht viel. Und ich mag meine Notizbücher. Ich pflege sie. Nicht zu viel, aber schon so, dass ich sie nicht unter die Dusche halte.
So sehen sie von hinten aus. Es sind mittlerweile 21 Notizbücher. Seit 2002. Da hat das Zirkeltraining und meine Band Punk Soul Loving Bill angefangen. Deshalb sind in den Notizbüchern auch fast alle Texte von PSLB und alle Ideen zu den Lesebühnentexten drin.
Von vorne sehen sie ein bisschen benutzter aus. Ich stopfe da immer sehr viel rein. Bilder, Zeitungsausschnitte etc. Das Bild ist mir etwas schräg geraten, stelle ich gerade fest.
Ich komme mir vor, als würde ich was bei eBay verkaufen. Ich wollte nur noch mal aus einem anderen Winkel zeigen, wie benutzt sie aussehen. Das gefällt mir außerordentlich gut.
Jedenfalls sammle ich so meine Ideen. Heute habe ich mit Notizbuch 22 angefangen. Deshalb vielleicht auch dieser Artikel. Hat sonst noch jemand Notizbücher oder Kladden? Mich interessiert so etwas sehr.
Schön, dass Sie sich für unseren Rahmen entschieden haben. Sie werden sicherlich einen guten Grund dafür gehabt haben, sich einen Bilderrahmen zu kaufen. Wahrscheinlich, weil Sie ein Bild haben, das Sie besonders schön umrahmt, irgendwo hinstellen möchten. Aber haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, ob es nicht viel schöner wäre, wenn Sie uns in dem Rahmen ließen und sich an uns erfreuten? Das mag ein sehr schönes Bild sein, das Sie in den Rahmen packen möchten, aber seien Sie doch mal ehrlich: ist es sehr viel schöner als unser Anblick?
Wir möchten Sie da nicht auf dem falschen Fuß erwischen, Sie sind sicherlich ein Prachttyp, aber schauen Sie sich doch mal an, wie fröhlich wir sind. Na, sehen Sie es? Wir sind so fröhlich, weil wir in unserem Ferienhaus auf einer Insel in der Südsee sind. Sie erkennen bestimmt den tollen Strand, der hinter uns liegt. Na, erkennen Sie ihn? Wir können uns dieses Ferienhaus leisten, weil wir unglaublich gut bezahlte Jobs haben. Manchmal fragen wir uns schon, wohin mit dem ganzen Geld. Das kennen Sie sicherlich auch, oder? Dass man so viel Geld hat, dass es selbst, wenn man die Hälfte spendet – was wir seit vielen Jahren machen – dass selbst nach großzügigen Spenden immer noch so viel Geld im Portemonnaie ist, dass man sich eigentlich schämen müsste. Das Gefühl, sich schämen zu müssen, das kennen Sie bestimmt.
Wir sind aber auch besonders glücklich, weil wir unglaublich gut zueinander passen. Wir sind ein fast unerhört perfektes Paar. Sehen Sie, wie sehr wir lächeln? Das ist eines der Zeichen dafür, dass wir ein tolles Paar sind. Weitere Kennzeichen sind: wir umarmen uns, die Sonne scheint, wir sind wahnsinnig attraktiv und haben gute Gene, was man an unserer Attraktivität erkennt.
Sie fragen sich sicher, ob wir Kinder haben, oder? Natürlich haben wir Kinder, denn Kinder sind das Wichtigste auf der Welt. Wer keine Kinder hat, darf sich wohl nur in Anführungszeichen glücklich nennen. Unsere Kinder befinden sich gerade in der Obhut ihres Kindermädchens. Zusammen lernen sie Chinesisch, Portugiesisch und globale Probleme analysieren, denn heute ist Dienstag. Sie sprechen sicherlich auch mehrere Fremdsprachen, oder? Bestimmt. Unsere fünf Kinder sind unser ein und alles. Einige von ihnen haben Sie sicher während ihrer Suche nach Bilderrahmen gesehen. Ja, richtig, unsere Kinder haben mittlerweile ihre eigenen Bilderrahmen und sind sehr erfolgreich. Was meinen Sie, wie oft die über den Ladentisch gehen. So oft, dass sie ihr eigenes Kindermädchen bezahlen können.
Wir möchten jetzt auch gar nicht weiter aufzählen, weshalb Sie uns in unserem Rahmen lassen sollten. Sie werden bestimmt die richtige Entscheidung treffen. Wir müssen jetzt auch auf unser Boot. Die Delphine warten darauf, dass wir ihnen die menschliche Sprache beibringen. Das machen wir aber nur so zum Spaß.
Im Jahr 2009 war ich für einige Monate im Iran, um für das Magazin Mare über Menschen zu berichten, die im Iran leben. Auf meiner Reise durch das große Land habe ich viele Menschen getroffen, die im Iran leben.
Tag 35
„Bei der ganzen Debatte um das iranische Atomprogramm, bleibt völlig außen vor, dass dieses Land unglaublich reich an Sand ist.“ Peter Bosworth, Tourismusexperte und seit seiner Geburt Iraner, hockt sich vor unser Team und streicht mit seiner Hand den vor ihm liegenden Sand glatt. „Es gibt bis zu 300 verschiedene Begriffe für Sand. An manchen Tagen sogar bis zu 400.“ Der 30jährige Bosworth gibt sich alle Mühe, uns von der heilenden Wirkung besonderer Sandsorten zu überzeugen, doch er merkt auch, dass wir uns mit ihm treffen wollten, weil er als derjenige Tourismusexperte gilt, der weiß, wo sich geheime iranische Atomlabore befinden.
Auf unsere Nachfragen reagiert er mal gelassen, dann wieder angegriffen. Es sei sein Land, beteuert er, er wolle niemanden verraten, doch wenn er all den Sand sieht, oder wie Bosworth es betont: den „Sáhahnd“, dann ist er in einer Zwickmühle gefangen. Schließlich sei Sand das sein Leben bestimmende Thema. So war er einer der ersten, die 2003 darauf aufmerksam machten, dass bestimmte Sandsorten für immer von der Oberfläche der Welt verschwinden könnten, wenn der Mensch nicht eingreifen würde. „Die Tiere haben eine Lobby, die Pflanzen, ja sogar das Eis hat eine Lobby, doch wer kümmert sich um den Sandbestand der Welt?“
Peter Bosworth wischt sich ein paar Tränen aus den Augen. Wir ahnen, dass er uns keine geheimen Atomlabore zeigen wird. Trotzdem versuchen wir, seine Standpunkte zu verstehen. „Wissen Sie, es gibt hier Landstriche, da finden Sie an einer Stelle leicht rötlichen Sand und dann gehen Sie nur ein paar Schritte weiter und dort ist der Sand dann eher ockerfarben oder gar sandfarben. Können Sie mir in die Augen schauen und sagen, dass Ihnen das nicht imponiert? Können Sie das?“
Wir packen unsere Sachen. Von Peter Bosworth werden wir keine Details erfahren. Er lebt in einer Welt, in der Sand mehr zählt als Politik. Doch am Ende unseres Treffens haben wir das Gefühl, dass er uns doch noch etwas mitteilen möchte. „Wissen Sie, wenn Sie ein bisschen geradeaus fahren und dann rechts abbiegen, und dann nochmal 400 Kilometer geradeaus fahren, dann kommen Sie irgendwo an. Dort gibt es wunderschönen Sand. Die Menschen die dort leben nennen ihn „Zeug, von dem die Götter zuviel hatten“. Ich denke, das wird Ihnen weiterhelfen.“ Als wir an der von Bosworth beschriebenen Stelle ankommen, finden wir Sand und uns wird klar: Peter Bosworth hat uns keinen versteckten Hinweis gegeben.
Dieser Text ist eine überarbeitete Version der Version, die in anderer Version Anfang des Jahres auf Hartcover.de zu lesen war. Ich glaube, dass viele ihn dort nicht gelesen haben, deshalb poste ich ihn noch einmal hier.
- Er bietet an, das Steuer zu übernehmen, weil er den Fahrstil auch nach einem Kilometer immer noch “echt schlimm” findet.
- Er schiebt ohne zu fragen eine CD in den CD-Player und greift beherzt nach der Hand des Fahrers, der etwas leiser drehen will. Dann singt er, mit seiner Meinung nach: viel Soul in der Stimme die Songs von Jule Neigel mit.
- Er bietet einem Snacks an, die Insekten ähneln, und referiert darüber, wie unhöflich es in „seiner Kultur“ sei, etwas Angebotenes abzulehnen.
- Er zählt im Kopf die gefahrenen Kilometer mit und gibt bei jedem vollen Kilometer bekannt, welchen Kilometer er gezählt hat. Bei Primzahlen klatscht er in die Hände und lacht wild.
- Er erklärt, dass er in 15 Jahren im Gefängnis gelernt hätte, wie man aus einem Blatt Papier, wenn man es richtig knickt, eine funktionstüchtige Klinge machen kann und demonstriert es.
- Er will sich mal den Motor ansehen.
- Er beginnt, sich die Fußnägel zu schneiden.
- Er betätigt unangekündigt die Hupe, wenn ihm etwas nicht gefällt.
- Er fragt, ob man in ein nahegelegenes Waldstück fahren könne, um dort etwas auszugraben.
- Er will im Kofferraum mitgenommen werden, weil er sich verfolgt fühlt.
- Er twittert detailliert, wie “schräg der Typ aussieht, der ihn mitgenommen hat”.
- Er zitiert unentwegt aus Monty Python-Filmen und betont, wie witzig er diese findet und dass er ähnlich witzig ist.
- Er trägt einen Mantel aus Menschenhaut.
- …Facebook-”Gefällt mir”-Button.
- …Flattr-Button. Der Stein ist schon bezahlt.
- …weiterführende „Kunden, die diesen Grabstein angesehen haben, haben auch angesehen…“-Empfehlungen.
- …Twitter-Hashtags wie: #Loser, #tot, #klopfklopf.
- …Farmville-Statusmeldungen wie: “Sacha is giving away shovels in Farmville” oder “Sacha just found some uncommon brown eggs and wants to say thank you.”
- …Aufforderungen wie: “Sacha, probiere den Freundefinder aus.“
- …„Follow me“-Twitterbutton.
- …Studi VZ-Gruppenstatus: „Du bist Mitglied“.
- …die tägliche Übersicht über Besucher, wiederkehrende Besucher, tatsächliche Besucher, vorbeigegangene Besucher,…
- …Angaben über belegten und noch freien Platz.
- …„Rate-my-body“-Funktion.
- …Markierung bei Google Maps.
- …Wiki-Funktion für die Grabinschrift.
- …die Möglichkeit, ihn zusammenzuklappen.
Cornelia ist 8 und wünscht sich nichts sehnlicher als ein Pony. Sie hat sich im Tiergeschäft auch schon eins angesehen und gefragt, ob sie es mitnehmen dürfe, aber der Verkäufer hat nur gelacht und sie schimpfend rausgeschubst. Da ist Cornelia sehr traurig und weint sich bei ihren Eltern aus, aber auch die lachen, denn schließlich hätte ein Pony gar keinen Platz in ihrer 1-Zimmerwohnung. Cornelia weint weiter und rennt in ihre Ecke des Zimmers.
Die Eltern aber haben doch ein schlechtes Gewissen und wenn Cornelia schon kein Pony bekommen kann, dann wenigstens ein anderes Tier. Am nächsten Tag kommt der Vater aus der Stadt und hat einen kleinen Pappkarton in der Hand.
„Hier Conni, ein Geschenk, es ist kein Pony, aber so was ähnliches.“
Cornelia reißt den Karton auf und heraus guckt ein kleiner Hase mit irre lustiger Mümmelnase und schlappigen Schlappohren. Erst freut sich Cornelia, doch schon bald verliert sie die Lust am Hasen und bricht ihm alle Knochen, bis von ihm nur noch ein beliebig formbares Fellknäuel übrig bleibt. Er fiept noch eine Weile, dann ist er tot. Gestorben an Brüchen, inneren Blutungen und Hass. Cornelia aber hat einen Plan und weint theatralisch, als die Eltern sehen was mit Mümmel passiert ist.
Wenn Cornelia so unglücklich ist, muß etwas passieren. Und dann verkaufen die Eltern einige ihrer nicht so wichtigen Organe auf dem Schwarzmarkt und schenken Cornelia das Pony. Da ist sie so richtig glücklich und reitet mit dem Pony durch das kleine Zimmer. Bald aber merken alle, dass das Pony zu groß ist und eines nachts legt es sich auf Cornelia. Morgens finden die Eltern das tote Mädchen. Es erinnert sie an das Kaninchen, und weil Cornelia es so sehr mochte, bestatten sie sie an der gleichen Stelle im stinkenden Tümpel am Rande des Industriegebiets.
Mit den Kinderweisheiten bestritt ich seinerzeit den Zugabenteil beim Zirkeltraining. Bei der Lesung am letzten Montag habe ich es nicht gemacht. Warum nur?
Die schwarze Figur ist der Tod. Der ist eine Gemeinschaftsarbeit von Sacha Brohm und Christine Gensheimer.
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